St. Peter - Bad Waldsee
Die Pfarrkirche St. Peter ist wie kein anderes Gebäude stadtbildprägend.
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Mehr erfahrenLiebe Gemeindemitglieder,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Gäste
Zweifelsfrei ist es eine der schwierigsten Fragen überhaupt, mit der sich das Evangelium dieses Sonntags beschäftigt. Was ist gerecht? Schon als Kind hat mich die Frage nach Gerechtigkeit, sehr beschäftigt. Es konnte mich unheimlich in Rage versetzen, wenn ich die Gerechtigkeit verletzt sah. Damals war ich davon überzeugt, dass es auf diese Frage eine, und zwar eine klare, Antwort gibt. Mit den Jahren habe ich immer mehr Situationen erlebt, in denen mir deutlich wurde, dass Gerechtigkeit oft eine Frage der Perspektive ist. Was für die einen gerecht ist, ist für die anderen absolut ungerecht. Und ich habe Situationen erlebt, in denen ich selbst keine Entscheidung mehr treffen konnte, was denn nun gerecht ist. Als Kind fand ich es gerecht, wenn alle das Gleiche/ gleichviel bekommen. Aber mit der Zeit habe ich erkannt, dass es in manchen Angelegenheiten einen Unterschied macht, was der ein oder andere bereits hat oder gerade besonders braucht. Dann ist gleichviel für alle nicht unbedingt gerecht. Oder wie sehen Sie das?
Der gleiche Lohn für alle Arbeiter im Weinberg, egal wie lange sie gearbeitet haben, das fordert mich ebenfalls heraus. Auch wenn ich weiß, dass dieser Lohn genau der Betrag ist, mit dem jeder der Arbeiter seine Familie an diesem Tag ernähren kann, ist es deshalb gerecht? Müssten nicht dennoch die, die mehr gearbeitet haben, auch mehr bekommen? Gottes Gerechtigkeit übersteigt da immer wieder meine Vorstellungen. So wie wir auch im Gottesdienst immer wieder beten um den „Frieden, wie ihn den Welt nicht geben kann“ – um Gottes Frieden.
Der Theologe, Pädagoge und Autor Werner Tzscheetsch schreibt zu diesem göttlichen Frieden: „Frieden wird manchmal bestimmt als die Abwesenheit von Krieg. Die Abwesenheit von Krieg ist viel, aber noch lange nicht alles - Frieden ist mehr als ein politischer Begriff. Deutlich wird dies in der Grußformel „Schalom!“ Schalom meint Heilsein, Ganzsein, Unversehrtsein. Das Ganzseinkönnen beginnt in kleinen Gemeinschaften, in Gruppen, in denen ich erfahre, dass ich angenommen bin – auch mit meinen Fehlern. … In solchen Erfahrungen bricht in mir eine Ahnung auf, wie umfassend Friede sein könnte. Genauso umfassend wie der biblische Begriff „Schalom“. Schalom meint soziale Gerechtigkeit: Wie gehen wir in unserer Gesellschaft mit Randgruppen um? Wie verhalte ich mich angesichts arbeitsloser Kolleginnen und Kollegen? Wie stehe ich zum weiter umsichgreifenden Ausländerhass? Wie wird in unserer Gesellschaft Einkommen verteilt? Welches Recht haben bei uns „Wehrlose“, kleine Kinder, Kranke, Menschen mit Behinderung, Alte?“
Der Beginn des großen Friedens und der wahren Gerechtigkeit liegt in den kleinen Gruppen. In unseren Familien, in den Schulklassen, der Nachbarschaft, der Kinderfreizeit, der Kirchengemeinde, dem KollegInnenkreis… - hier muss erfahrbar werden, dass jeder Mensch angenommen wird und wir gemeinsam die Herausforderungen, die das Leben in Gemeinschaft uns stellt, bewältigen. Indem wir gemeinsam immer wieder aufs Neue die Frage der Gerechtigkeit beantworten und die Antwort leben. Da kommt es auf Jeden und Jede an. So können wir der größer werdenden Unzufriedenheit begegnen, die Unfrieden in unsere Gesellschaft trägt. Glauben und Leben wir über unsere Maßen – in Gottes Weite!

Sandra Weber
Gemeindereferentin
Bilder: factum.adp / In: Pfarrbriefservice.de
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